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AM RANDE DES LICHTS - KRITIKEN

Hannoversche Allgemeine Zeitung


Tanzende Schatten

Schauspielstudenten am "Rand des Lichts"

Bertolt Brecht irrte: Die im Dunkeln sieht man doch. Man muss nur mit Licht! und Schatten umgehen können. Wie das geht, das zeigt der Studiengang Schauspiel der Hochschule für Musik und Theater Hannover derzeit im Studiotheater Expo Plaza. "Am Rande des Lichts" heißt dieses knapp einstündige Exerzitium. Auf der Eintrittskarte steht allerdings "An Randes Licht". Und vielleicht könnte man auch den Lichtquellen zurufen: halt den Rand. Denn das Wortkarge gehört zu diesem Abend, der einerseits gerne die maulfaulen Helden des Film Noir zitiert und andererseits ein "choreografisches Theater" sein will, in dem nur die Körpersprache zählt.

Die Rahmenhandlung ist mit ein paar Schwarz-Weiß-Umrissen skizziert. In Shadow City ist die Tochter vom dicken Don entführt worden. Der Gangsterboss verdächtigt sofort Jack the Ass, aber ganz so einfach ist das nicht. Da läuten Telefone, erzählt jemand aus dem Off, und weil das alles so offensichtlich nach den hardboiled Stories von Raymond Chandler schmeckt, hat man immerhin den Privatdetektiv der Bühnenhandlung John Chandler genannt. Ehre, wem Ehre gebührt.

Aber die Handlung ist eigentlich nicht wichtig. Allenfalls dann, wenn man darüber nachdenkt, wie man aus dieser Geschichte wieder rauskommt: mit einer Blutprobe für einen Schattenmann. Lehrmeister Stephan Hintze lässt seine zehn Akteure tatsächlich am Rande des Lichts tänzeln. Da blitzen die Gamaschen, glänzt das weiße Tuch vor schwarzem Grund. Menschliche Jagdhunde gehen auf Jagd, es gibt Kämpfe und Meuchelmorde und eine Verfolgungsjagd im Licht eines Autos, das nur durch seine Scheinwerfer beschrieben wird.

Natürlich zeigen die Studenten, was sie gelernt haben (die imaginäre Treppe gehört zu den Klassikern des Körpertheaters). Die Geschichte ist nicht immer wirklich wichtig bei diesem Kessel Buntes - strikt in Schwarz-Weiß (mit ein bisschen Blutrot). Es überwiegt die Spielfreude bei dieser Finger- oder besser: Fußübung im choreografischen Theater. Am Ende viel Begeisterung nicht nur der Kollegen und Familienangehörigen. Und einer der Akteure bekommt statt Blumen eine Fleischwurst zugeworfen (eingeschweißt in Folie). Fehlt nur noch Mackies Messer.

[Rainer Wagner]

 

WEITERE INFORMATIONEN:
AM RANDE DES LICHTS

 

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