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Die Geschichte vom Soldaten - Kritiken

Hannoversche Allgemeine - Mittwoch, 15. September 2010

Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ feiert Premiere in der Straßenbahn

Es ist eine ungewöhnliche Theaterinszenierung, die das Orchester im Treppenhaus und das Theaterensemble Rotolux 2 auf die Bühne gebracht haben. Denn die Bühne, auf der Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ in Hannover Premiere feierte, ist eine alte Straßenbahn.

Für schlichte Wanderbühnen haben sich Igor Strawinsky und Charles Ferdinand Ramuz ihre 1918 entstandene „Geschichte vom Soldaten“ gedacht: eine groteske Fehleinschätzung, wenn man bedenkt, dass das Stück mit technischen und inhaltlichen Schwierigkeiten gespickt ist, die sich keinesfalls im Vorbeigehen lösen lassen.

In Hannover ist die holzschnittartige Faust-Variation, bei der ein Soldat dem Teufel seine Seele in Form einer Geige verkauft, nun aber mächtig ins Rollen gekommen: Schauspielstudenten haben sich mit ihren Kommilitonen vom Orchester im Treppenhaus verkuppelt und das Stück statt auf die Bühne in eine historische Straßenbahn gebracht. Gespielt wird auf und neben der Spur, in einer Depothalle der Üstra (die sich hier bestens als Kulturveranstalter bewährt), im Freien vor dem Kuppelsaal und tief unter dem Steintor auf einem toten Gleis.

Aufgeteilt auf zwei Museumsbahnen, die auch als U-Bahn unterwegs sind, fahren die Zuschauer zu den unterschiedlichen Spielorten. Die Schauspieler sorgen dabei für Unterhaltung: Während in der einen Bahn die Geschichte weitererzählt wird, gibt es in der anderen Getränke – und die Gelegenheit, selbst den Trank anzumischen, der den Teufel zwischenzeitlich außer Gefecht setzen wird. Draußen fährt derweil die Stadt vorbei: das normale Leben, das aus dieser Perspektive plötzlich seltsam unwirklich und farblos aussieht.

Die Idee der ungewöhnlichen Spielorte ist gut, die Umsetzung noch viel besser. Da schadet es nicht, dass Regisseurin (und Hochschulprofessorin) Nora Somaini das eigentlich knapp einstündige Stück auf weit mehr als das Doppelte gestreckt hat. Das von Thomas Posth geleitete, von Lucie Travnickova herrlich goldkettig kostümierte Orchester steuert dazu noch ein bisschen mehr Strawinsky (einen winzigen Ausschnitt aus „Petruschka“) und „Hänschen klein“ bei – der große Rest der Zeit gehört den Schauspielern. Die wissen sie zu nutzen: Jan Jaroszek ist ein fulminanter Teufel, der erst richtig aufdreht, wenn es wirklich eng wird. Auf dem Weg zu den Spielorten macht er die schmale, vollbesetzte Straßenbahn mit vermutlich überwiegend improvisierten Einlagen zur großen Bühne. Er ist intensiv, virtuos, witzig – und im siebten Semester: ein Sonderangebot für alle Theaterintendanten.

Neben ihm halten sich David Müller und Nora Decker als Soldat beziehungsweise Erzählerin und Teufelsgehilfin ebenfalls gut: So wird das kleine Musiktheaterstück zu einem großen Schauspielerfest. Entsprechend groß war am Ende die Begeisterung auf dem Abstellgleis, das anzusteuern nur empfohlen werden kann.

[Stefan Arndt]

WEITERE INFORMATIONEN:
DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN

 

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