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FAUST HAT HUNGER… - KRITIKEN

Hannoversche Allgemeine Zeitung


Die Kupplerpärchen
„Faust hat Hunger und verschluckt sich an einer Grete“ von Ewald Palmetshofer im Studiotheater Expo-Plaza


Eigentlich mögen sie sie nicht. Er ist ein „arrogantes Arschloch“ und sie eine bedauernswerte, allein gebliebene Enddreißigerin. Aber beide sind eben „Freunde von Freunden, die sich bei Freunden treffen“. Die Freunde sind die drei Pärchen Ines und Paul, Tim und Robert und Anne und Fritz. Sie veranstalten unter dem Motto „bring what you eat“ regelmäßig Balkongrillen – der Nachbarschaftspflege wegen. Und weil „irgendwie jeder jeden integriert“, verkuppeln die drei auf einer dieser Kleinbürgerpartys im Wohnblock eben Heinrich und Grete. Auch wenn er manchmal ein Besserwisser ist und sie von oben auf die Tomatenpflanzen von Ines und Paul ein Stockwerk tiefer ascht.
„faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“ heißt das Stück des österreichischen Nachwuchsdramatikers Ewald Palmetshofer. Unter der Regie von Nora Somaini haben es die Schauspielstudenten des dritten Studienjahres der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover auf die Bühne des Studiotheaters auf der Expo-Plaza gebracht.
Die erste Szene greift weit in die Zukunft. Im Jahr 2080 treffen sich drei Kupplerpärchen im hohen Alter, tattrig, am Stock gehend und mit Schläuchen am Körper wieder. Die Bühne ist schwarz, aus den Boxen grummeln Bässe. Wie Zombies laufen die Gestalten umher, sich an die Geschehnisse von damals erinnernd. Dann ein schneller Schnitt, helles Licht, bunte Elektrobeats und aufrechte und wiederverjüngte Charaktere, die vor der tristen, aber raffinierten und geschickt immer wieder neu zusammengestellten Pappkulisse aus dem Hier und Jetzt erzählen. Sie sprechen das Publikum direkt an, geben durch verworrene innere Monologe, in denen die palmetshofersche Sprache zum Ausdruck kommt, Einblicke in ihre Gedankenwelt. Manche Sätze enden im Nichts oder werden zu einem Daherphilosophieren. Heinrich und Grete werden dabei immer von anderen Schauspielern dargestellt, die geschickt während der Szenen die Rollen wechseln. Damit das Publikumnicht den Überblick verliert, tragen die beiden gelbe Perücken und T-Shirts mit weißen Knochen als Vorausdeutung auf ein tragisches Ende.
Heinrich und Grete finden zwar zusammen, aber Goethes Gretchenfrage,
die hier zu „Wie hälst du’s mit der ... Liebe“ wird, scheint die Perspektivlosigkeit der beiden vorwegzunehmen. Und während die drei Pärchen wieder ihre Nachbarschaft feiern, ist Grete schwanger – und am Ende berichtet ein Fernsehteam über einen Kindsmord im Wald.
Die Inszenierung besticht durch scharfzüngige, schnelle Dialoge, dynamische
Szenewechsel und Darsteller, denen das Zusammenspiel sichtlich Spaß macht.

Von Manuel Becker

WEITERE INFORMATIONEN:
FAUST HAT HUNGER…

 

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