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Onkel Wanja

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Anleitung zum Unglücklichsein
„Onkel Wanja" im Studiotheater Expo-Plaza


Wir werden leben", sagt Sonja am Schluss. Wir müssen leben." Aber jeder weiß, dass dieses Leben keines sein wird. Dass es nur eine Fortsetzung der dumpfen Zeit von früher wird. Die kurze Phase der Aufwallung ist vorbei. Wer sein Unglück hätscheln will, kann es jetzt wieder tun. Und das wollen ja alle.
Jedenfalls alle Figuren in Anton Tschechows Stück „Onkel Wanja“, das im Studiotheater der Hochschule für Musik und Theater an der Expo-Plaza Premiere hatte, als Diplomprojekt zum Abschluss des vierten Studienjahrs Schauspiel.
Der alte Professor ist hinaus auf sein Gut gefahren, mit seiner schönen jungen Frau Jelena. Ihr verfallen umgehend Gutsverwalter Wanja und der Arzt Michail Astrow. Astrow wiederum bemerkt nicht mal, dass des Professors Tochter aus erster Ehe, Sonja, die immer auf dem Gut gearbeitet hat, ihn seit Jahren anhimmelt. Beste Voraussetzungen also für ein Stück, das zwischen Tragödie und Komödie changiert und bei dem man nie weiß, ob man die Charaktere nun bemitleiden oder wachrütteln soll.
Eher klassisch angegangen von Regisseur Jan Konieczny (Buhne: Alina Dunker, Kostüme: Karoline Gundermann und Rebecca Moltenbrey), bewegt sich die Inszenierung zwischen Stadttheaterstandard (was ja gut ist) und einzelnen High-lights.Überzeugend sind alle Akteure:  Roman Mucha als vor Kummer überdrehter Wanja, Amelle Schwerk als vor Kummer ergebene Sonja, Nils Andre Brünnig als vor Kummer spleeniger, saufender Astrow. Gast Günter Szynkarek ist ein vor lauter Larmoyanz krähenartiger Professor, bei Anne Rohde ist es wieder der Kummer, der ihre Jelena blasiert gemacht hat, und Eduard Lind gibt die Nebenfigur Telegin dumm vor Kummer.
Die Frauen ragen trotzdem heraus: Als Amelle Schwerks Sonja sich selbst für hässlich erklärt,schraubt sich ihr Spiel in eine Intensität voller zornigem Gram hinein, die einen den Atem anhalten lasst. Und Anne Rohde stöckelt so sicher über den rasierklingenscharfen Grat zwischen Vamp und Jammerfrauchen und marlenejaschkehaftem Slapstick, dass man(n) nur den Hut ziehen kann. Entsprechend begeistert fiel der Applaus aus.

Bert Strebe

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