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Räuber und Damen

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Auf sie mit Gebrüll
Schauspielstudenten zeigen "Räuber und Damen"

Alfred Hitchcock brachte es auf den Punkt, "Suspense", also Spannung, sei nur möglich, wenn der Zuschauer um die Bombe unter dem Tisch wisse. Wenn nicht, handle es sich bestenfalls um "surprise", um die Überraschung, wenn plötzlich alles hochgeht. Die Bombe, die beim Diplomprojekt des Studiengangs Schauspiel der Musikhochschule in der Studiobühne an der Expo-Plaza unter dem Tisch liegt, ist ein Stück Fernseh- und Feminismusgeschichte. Im Jahr 1975 strahlte der WDR ein Streitgespräch zwischen Alice Schwarzer und Esther Vilar aus, die damals gerade mit dem "dressierten Mann" eine Art populistische Gegenthese zum Feminismus aufgestellt hatte. Die Sendung machte Schwarzer über Nacht zur Protagonistin der feministischen Bewegung. Man kann das kennen. Man müsste es allerdings kennen, um das von den Absolventen entwickelte Bühnenstück in seinen Zusammenhängen zu verstehen. Die Bombe platzt indes überraschend in den letzten Sekunden: Der Beginn der Fernsehaufzeichnung lässt den Ursprung von Themen, Zitaten und Haltungen erahnen.

Die vorangegangene Rekonstruktion des Gesprächs und seiner Protagonistinnen macht auch ohne ihre präzise Verortung Spaß. Das Projekt verbirgt kaum, dass seine Szenen als Folge von Improvisationen und Miniaturen entstanden sind. In den Details steckt Hingabe. Als Ganzes wirkt die satirische Revue in ihren Überzeichnungen jedoch fast comichaft. Zwischen all den Posen und Parodien, all dem dick Aufgetragenen und dem Gebrüll bleibt wenig Raum für die Darsteller, Subtilität und Nuancen zu zeigen. Es ist dabei absolut legitim, die irrwitzigen, eitlen und neurotischen Seiten der historischen Feminismusdebatten in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Absolventen und ihr Regisseur Mattias Rippert machen kein Geheimnis aus ihrem jungen Blick, für den manche Rolle und Argumentation von damals eben wirkt wie Slapstick oder Medienzirkus. Allerdings vermögen sie offenbar nicht allzu viel Persönliches entgegenzusetzen. Dabei ist das Thema keinesfalls nur ein historisches. Die Autorin Ronja von Rönne ekelte sich unlängst plakativ vor dem Feminismus. Während Alice Schwarzer selbst sich zunehmend mit Rechtspopulisten solidarisiert. Grund genug, auf eine Fortsetzung von "Räuber und Damen" zu hoffen.

Thomas Kaestle

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