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George F. Walker - SUBURBAN MOTEL - KRITIKEN

Hannoversche Allgemeine Zeitung - 19.06.2010

Bock auf Leben

Schauspielstudenten im Studiotheater des Expo-Plaza

Nicht gerade zimperlich gehen die Studenten mit ihrem Bühneninventar um. Sie spielen wild, lassen die Fetzen fliegen. In der ersten Szene liegen die ehemals drogenabhängige Denise (Marie Johanna Bauer) und ihr Freund RJ (Jan Jaroszek) im Bett und kabbeln sich so lange, bis der Lattenrost durchbricht. Die Darsteller sind Studenten des Studiengangs Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Sie versuchen, große Emotionen auf die Bühne des Studiotheaters auf der Expo Plaza zu bringen. Einige Darsteller brauchen etwas Zeit, um ganz in ihren Rollen aufzugehen, spielen sich dann aber in extreme Gefühlslagen.

Alle Szenen haben ein schmuddeliges Motelzimmer zum Schauplatz, das geschickt auf der Bühne aufgebaut ist. Es besteht aus Holzstreben, die einen großen Quader bilden, hat eine Tür, aber keine Wandseiten, keine Decke und keinen Fußboden, weshalb das Publikum durch den karg möblierten Raum hindurchblicken kann. Dafür steht das Zimmer auf kleinen Rollen und lässt sich bewegen.

Einmal stolpert der betrunkene Motelhausmeister Phillie (Walter Schmuck) so heftig über die Bodenlatte, dass sich das ganze Zimmer verschiebt. Ein anderer Darsteller wird mit Wucht gegen die Tür geschleudert, sodass sich das Zimmer um 45 Grad dreht. Dieser Gewaltausbruch hat einen besonderen Effekt: Die Zuschauer erhalten eine andere Perspektive auf das Zimmer.

Aus dem Stückezyklus "Suburban Motel" (veröffentlicht 1997) des kanadischen Dramatikers George F. Walkers werden "Problemkind" und "Loretta" aufgeführt. Der Regisseur Titus Georgi hat die Stücke nach dem Reißverschlussprinzip miteinander verschränkt. Nach jeder Szene wird wieder zum anderen Stück gewechselt. Beide zeigen Ausbruchsversuche aus einem gescheiterten Leben.

[Janina Wallbaum]

 

Schauspielschultreffen in Leipzig

Zwei junge Frauen. Die eine will ihr Baby zu- rück, das die Fürsorge ihr weggenommen hat. Die andere träumt von einer Karriere als Mo- del und gerät zwischen zwei eifersüchtige, sie benützende Männer. Die beiden verschiedenen Geschichten spielen am selben Ort, in einem heruntergekommenen Vorort-Motel und ge- hören zum gleichnamigen sechsteiligen Zyk- lus des kanadischen Dramatikers Walker unter dem Motto: »Das Leben ist ein Schlag ins Ge- sicht vom Schicksal«.

Das drehbare Gerüst markiert mit Bad, Bett, Tisch und Stühlen die Spielorte für die beiden ineinander verschränkt gespielten Stücke. Erst der Streit zwischen Loretta und ihrem Lieb- haber. Dann der Kampf der drogensüchtigen Prostituierten Denise um ihr Kind mit der har- schen Sozialarbeiterin Helen, die durch einen unglücklichen Zufall mit dem Kopf gegen das Klobecken knallt. Gegenschnitt auf Loretta

und ihren neuen Kerl, der sie für einen dilettan- tischen Porno-Film einspannen will. Die eine Leiche muss verschwinden, eine andere wird ge- stohlen. In der farcenhaften Milieustudie folgt eine Katastrophe der nächsten zum Beweis von Walkers Thesen: »Nichts kommt mehr in Ord- nung. Alles in der Welt ist falsch. Es gibt keine Gerechtigkeit. Jeder denkt nur an sich.«

Die Studierenden stürzten sich kopfüber und furchtlos in die Wechselbäder zwischen Ko- mik und Tragik und bekamen die überspitzten Situationen und die ihnen eigentlich ziemlich fern liegenden Figuren frei, präsent und über- zeugend in den Griff. Es gelang ihnen auch, de- ren verletzliche Seiten beim körperlichen oder verbalen Schlagabtausch spüren zu lassen: die Funken der verzweifelten Hoffnung, den ge- demütigten Stolz, den rasenden Schmerz und ohnmächtigen Zorn.

Klaus Witzeling

WEITERE INFORMATIONEN:
SUBURBAN MOTEL

 

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